VW-Blockade… doch nicht alles gewaltfrei?

Kritik zur Selbstdarstellung der Polizei Wolfsburg anlässlich der Blockade eines Autozuges in Wolfsburg

Nach Angabe der Polizei seien die Aktivist*innen “entspannt” gewesen und entsprechend habe sich auch die Polizei verhalten. “Wir waren es auch”, meint dazu der Sprecher. Von einer generellen Entspannung oder dem Verzicht auf Gewalt kann im Zuge der Protestaktionen allerdings nicht die Rede sein. Wie bereits auch in vielen Medien festgestellt wurde, stressten in der Nacht die Mitarbeiter*innen von VW in der Eingangshalle die Aktivist*innen (und Putzkräfte) die währende der Besetzung des Globus vor Ort übernachteten mit ohrenbetäubendem Lärm in Form des Feueralarms. Eine folterähnliche Methode. Generell führt gerade die Verursachung von Lärm, in diesem Fall unübersehbar absichtlich, vor allem wenn die Ohren einer bestimmten Lautstärke für längere Zeit ausgesetzt sind, zu meist irreparablen Schäden im Gehörorgan (Tinnitus, Zerstörung von Sinneshärchen im, Schwerhörigkeit). Körperliche Schädigung ist aber Gewalt und mit dieser wollte hier „VW“ offensichtlich zurückschlagen, bzw. die Besetzer*innen zur Aufgabe bewegen. (Wer auf einer Demo eine Trillerpfeife angeblich zu nah an einer Polizeikette eingesetzt haben soll und dann eine Anzeige wegen Körperverletzung erhält wird vielleicht auch feststellen, dass selbst die Justiz das so sehen kann – zumindest wenn Cops verletzt werden).

Zurück zum Polizeieinsatz. Obwohl wohl eine ganze Hundertschaft plus X im Einsatz war, wurden beim Abtransport brutale Schmerzgriffe eingesetzt und Menschen auf sehr “ungünstige” Art und Weise getragen, obwohl sie sich nicht zur Wehr setzten. So wurden einer Person beim Abtransport zwei Rippen gebrochen. Eine weitere Person wurde, weil die eingesetzten Kräfte auf dem Schiff zu blöd waren bis vier zu zählen und nur drei Metall-Handschellen mitgenommen hatten, mit einer Kabelbinderfessel gefesselt die von Anfang an zu fest angezogen wurde. Diese musste die Person bis zur Polizeiwache ertragen, was zu Taubheit in den Fingern führte. Selbe Person wurde mit dem Bauch nach unten getragen wobei das komplette Gewicht mehrere Minuten auf den zu engen Handfesseln lag. Bis jetzt  ist der linke Arm ab dem Ellenbogen abwärts immer noch Taub. Dabei sollte dies ein Standartmove für Cops sein und die Frage bleibt, ob hier einfach unprofessionell oder vorsätzlich gehandelt wurde. Ich hoffe natürlich, dass sich dies in einigen Wochen wieder legt und das Gefühl in die Finger zurückkommt. Es sind aber auch irreparable Nervenschäden möglich. Ein solches Tragen wäre außerdem  angesichts der dumm in der Gegend rumstehenden Hundertschaft unnötig – aber darum ging es den einzelnen Einheiten offensichtlich sowieso nicht. Aller Proteste und Beschwerden zum trotzt.

In der Gefangenensammelstelle wurden Menschen unnötiger Weise ausgezogen. Einige „weibliche“ Personen wurden dazu nur in Unterwäsche in die Zellen gesteckt. Nur vereinzelt gab es Essen und Zellen wurden regelmäßig überbelegt. Und von dem rumgemackere der männlich gelesenen Polizeieinheiten mal abgesehen, gab es auf der Wache natürlich Beleidigungen und Provokationen von Seiten der Beamt*innen. Insbesondere, wenn versucht wurde nach dem Namen zu fragen (was eigentlich durchgängig erfolglos war).

Aber auch bei diesem Polizeieisatz darf natürlich so ein richtiger Schlag ins Gesicht und Kniestöße nicht fehlen. So geschehen bei der Entlassung (!) eines Aktivisten aus der GESA, als dieser, wie vorher von der Polizei vorgegeben, seine wieder ausgehändigten Sachen durchschauen und mit dem Sicherstellungsprotokoll abgleichen wollte. Selbstverständlich behaupte ich jetzt nicht, dass alle Cops so ausgerastet sind. Aber auch diejenigen, die ihren Kolleg*innen bei Gewaltakten nur zugucken sind nicht unschuldig (Wer nichts tut macht mit!).

Abschluss der Aktion Autofrei Mittwoch Mittag

Die Aktion Autofrei, die am Dienstag alle Gleiszufahrten zum VW-Werk Wolfsburg und eine Skultpur besetzte, um den Autokonzern VW zu blockieren, endet am Mittwoch Mittag. Es waren Technische Einheiten der Polizei mit einer Lore, SEK, Zwei Boote der Wasserschutzpolizei, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, die Feuerwehr mit Boot, Notarzt und Rettungsdienst, ein Räumfahrzeug, und Polizistis aus Lüneburg, Salzwedel, Braunschweig und Hannover im Einsatz.

Trotzdem hatte die Polizei nach 12 Stunden immer noch nicht alle Lock-Ons der Aktivistis entfernt, mit denen sie sich an den Schienen festgekettet hatten. Der Autozug gab schon früher auf und fuhr gegen kurz vor 21:00 wieder zurück ins Werk. Erst kurz vor Mitternacht waren die Schienen wieder frei.

Flexen macht noch viel mehr Spaß, wenn es zu dunkel ist, um zu sehen, wohin man schneidet.

In der Eingangshalle der Autostadt, eines VW-Vergnügungsparks, hängt eine Metallkonstruktion in Form eines Globus von der Decke; dort übernachten heute sechs Kletteraktivistis. Der Globus wird am Mitwoch nach 24 Stunden Besetzung wieder verlassen. Zu diesem Anlass wird zu einer Pressekonferenz um 12:00 unter dem Globus eingeladen, mit der Möglichkeit mit Kletteraktivistis des Globus und anderen Beteiligten der Aktion zu sprechen. Im Anschluss daran werden sich die Kletteraktivistis aus dem Globus abseilen.

„Die Geschäftsführung der Autostadt machte gute Miene zum bösen Spiel: Sie versorgten uns rührend und waren sehr um unsere Sicherheit bedacht. Wir werten diese „Großzügigkeit“ als strategisches Handeln im Sinne der Imagepflege und als Versuch, das Ganze klein zu halten. Denn ab 23:00 ging plötzlich der Feueralarm an, um uns Mürbe zu machen. Die Putzkräfte mussten währenddessen weiterarbeiten. Wir solidarisieren uns mit den Putzkräften, den bisher festgenommenen Aktivistis aus der Zugblockade und allen anderen Teilen der Aktion!“, so die Aktivistis.

Zwei Aktivistis im Globus halten sich die Ohren zu, um den ohrenbetäubenden Feueralarm zu ertragen.

In der Gefangenensammelstelle wird es unterdessen eng; die Polizei sperrt die Aktivistis je zu zweit in Einzelzellen mit schmalen Betten. „Die Antwort des Autokonzerns und seiner staatlichen Unterstützung beginnt bei Schlafentzug – wahrscheinlich wird es mit Nötigung, Widerstand oder ähnlichen juristischen Konstruktionen weitergehen.“, sagen die Aktivistis.

„Mit unserer Aktion wollen wir das Betteln um mehr Klimaschutz im Verkehrsbereich beenden. Die Seilschaften von Politik und Konzernen sind weder willens noch in der Lage, die nötigen Schritte zu einer Wende einzuleiten. Petitionen, Appelle und rein symbolische Aktionen reichen nicht!“

Die Aktion wendet sich auch gegen Elektroautos. Deren Einführung würde nur der Ausstoß von Luftschadstoffen verändern. Alle anderen Nachteile wie Flächenverbrauch und Unfalltote würden bleiben. Elektro-Autos seien sogar deutlich schwerer und in der Produktion noch rohstoffintensiver als bisherige Autos.

Symbolbild.

Die Umrüstung oder der Umstieg auf Elektromobilität würde riesige Mengen Rohstoffe, Arbeitskraft und Geld verzehren, die dringend für den Ausbau des ÖPNV gebraucht werden.

„Es ist absurd, den Auf- und Ausbau von Straßen- und Seilbahnen mit dem Argument abzulehnen, das sei zu aufwändig – und gleichzeitig mit viel größerem Aufwand die vielen Millionen PKWs austauschen zu wollen.“ Zudem sei Lithium als heute dominanter Akku-Rohstoff sehr selten. Kriege um das Metall seien zu befürchten.“

Durch diese Aktion konnte gezeigt werden, wie bereits wenige Menschen ein Echo erzeugen können, das die dringend zu führende gesellschaftliche Debatte zum Umgang mit Klimakrise und der notwendigen Verkehrswende ankurbelt. Wir werten die Aktion als vollen Erfolg und freuen uns auf neuen Wind für mehr Aktionen.

Zwei Aktivistis stehen auf dem Autozug. Auf ihrer Fahne steht "Gegen Volk und gegen Wagen".

 

Fakten zum Hintergrund

  • Im Jahr 2018 starben in Deutschland 3265 Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr. 85 mehr als im Jahr zuvor.
  • Der Stromverbrauch durch Elektromobilität schluckt ungefähr die Menge, die im Moment durch Windenergie produziert wird.
  • Ca. 30 Prozent einer Innenstadt sind Verkehrsflächen. Eine Berechnung für die (relativ radfreundliche) Stadt Freiburg ergab: Autos beanspruchen 23mal mehr Fläche als Radfahrer*innen.
  • In Berlin ist die durchschnittliche Spielfläche je Einwohner seit dem Jahr 2000 von 0,8 auf 0,6 Quadratmeter gesunken. Im Vergleich dazu braucht ein PKW eine durchschnittliche Parkfläche von 10 Quadratmeter.
  • 2000 betrug der Anteil an pendelnden Arbeitnehmer*innen 53%, im Jahr 2015 schon 60%.
  • Seit 1990 sind in Deutschland 6467 Kilometer Bahnstrecken stillgelegt worden.
  • CO2-Ausstoß durch Verkehr in BRD. 1990: 163 Mio. Tonnen. Ziel 2030: -40%. Ausstoß 2017: 166 Mio. Tonnen.

Diese Pressemitteilung stammt von der Aktionsgruppe, die den Globus besetzt. Sie ist für Presse-Nachfragen und Interviews unter 0163 937 9250 erreichbar.

Fotos der Aktionen gibt es in unserer privaten Cloud für den Globus und die Bahn-Blockade.

Die Aktion kursiert auf Twitter unter @aktion_autofrei und den Hashtags #autofrei, #Verkehrswende, und #blockVW.

Feministisch gegen Volkswagen – was der Kampf für die Verkehrswende mit dem Patriarchat zu tun hat

Als Feministinnen beteiligen wir uns an der heutigen Blockade des Volkswagen-Werkes in Wolfsburg. Während der Zusammenhang zwischen dem auf großen Autos basierenden Mobilitätssystem und der Klimakrise offensichtlich ist, dürfte einigen unklar sein, warum wir uns explizit auch aus feministischer Perspektive für eine Beteiligung an den Aktionen entschieden haben.

Dabei ist es eigentlich offensichtlich. Von Hollywood-Blockbustern über Fernsehwerbung bis zu lokalen Autowerkstätten: Autos sind Männersache. Und jeder neu produzierte protzige SUV heizt nicht nur das Klima auf, sondern reproduziert und verfestigt ein perfides System. Vorrangig weiße Männer verdienen Geld damit anderen vorrangig weißen Männern Autos zu verkaufen.

Autos sind nicht in erster Linie Mittel zum Zweck, um sich oder Dinge von A nach B zu transportieren, sondern Prestigeobjekte, oft verklärt als Ausdruck von Freiheit und Männlichkeit. Das hat gravierende Folgen: Wer ein echter Mann sein will, hat sich für Autos zu interessieren und wird ansonsten abgewertet, ihm seine Männlichkeit abgesprochen.

Und jede Frau, die schonmal beim TÜV oder Autoteile kaufen war wird es bestätigen können: Sie wird in den seltensten Fällen für voll genommen, ihr wird nichts zugetraut und sobald sie mit einem Mann unterwegs ist, wird er angesprochen, wenn es um technische Fragen geht. Autozeitschriften richten sich an Männer und wenn Frauen vorkommen, dann als fast nacktes Fotomodell auf der Kühlerhaube.

Belegt wird das auch durch die Zahlen: Über 90% der Männer zwischen 35 und 64 Jahren in der BRD besitzen ein Auto, bei Frauen sind es hingegen rund 60%. Während Frauen statistisch betrachtet viel mehr der zur Alltagsbewältigung notwendigen Strecken mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen, steigt der Mann ins Auto.

Autofahren ist global wie deutschlandbezogen ein Privileg weißer Männer und auch welche Autos gefahren werden unterscheidet sich deutlich. So liegt der Anteil an Männern, die einen VW Passat CC kaufen bei 83%.

Ebenso wie ein Kohle- oder Atomkraftwerk den Umbau der Stromnetze hin zu Dezentralität und Erneuerbaren Energien blockiert, so sabotiert die fortwährende Produktion protziger Neuwagen die überfällige Verkehrswende ebenso wie den Abbau von Geschlechterstereotypen.


Fotos der Aktionen gibt es in unserer privaten Cloud für den Globus und die Bahn-Blockade.

Die Aktion kursiert auf Twitter unter @aktion_autofrei und den Hashtags #autofrei, #Verkehrswende, und #blockVW.

Weitere Verkehrswende-Aktion in Wolfsburg: Globus im VW-Autoland besetzt

Heute besetzt eine Gruppe von Klimaschutzaktivistis die Eingangshalle des Autoparks des weltweit größten Automobilkonzerns Volkswagen – des Disney Worlds für Autofreaks sozusagen. Dazu bekletterten Menschen eine Stahlkonstruktion in Form eines Globus, der dort von der Decke hängt.

Aktivist*innen klettern zum Globus hoch, Demonstrant*innen schirmen sie ab.

Diese Aktion läuft parallel zu einer ein paar hundert Meter entfernten, Blockade des werkseigenen Zuges voller nagelneuer Autos, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden.

So wollen Aktivistis die dringend notwendige Debatte um den immens hohen Anteil der Autoindustrie an der Zerstörung der Umwelt anstoßen.

Denn die inzwischen immerhin in den Kinderschuhen steckende Diskussion um den nötigen Kohleausstieg reicht nicht aus, um der Klimakrise effektiv entgegen zu wirken.

„Straßenbahn, Nulltarif, Fahrradstraßen statt Autos – Kohleausstieg ist nicht genug“ steht auf dem Banner der Aktivist*innen.

Natürlich ist klar, dass nicht allein Volkswagen für den alarmierenden Zustand unseres Ökosystems verwantwortlich zu machen ist. Es handelt sich um eine globale Problematik.

Dennoch: Der Standort für die heutige Aktion wurde bewusst gewählt, um ein Zeichen zu setzen, da gerade auch die massiven Einflüsse der Autoindustrie aus Deutschland den Zustand unserer Umwelt weiter bedrohen.

Ein VW-Sicherheitsangestellter telefoniert panisch herum.

Daher fordern die Aktivistis kompromisslos und sofort: Verkehrswende jetzt!

  • Die Produktion eines Autos verursacht Schäden in der Umwelt durch den hohen Verbrauch an Rohstoffen und Energie.
  • Autos brauchen Fahrbahnen und Stehplätze, die in den Innenstädten ein Drittel der Fläche beanspruchen – mehr als alle Spiel- und Grünanlagen und mehr als Wohnraum.
  • Der motorisierte Verkehr verdirbt die Lebensqualität in Dörfern und Städten. Durch Lärm, Luftschadstoffe und die ständige Unfallgefahr werden die Straßen zu No-Go-Areas gemacht.
  • Von Parkhäusern bis zur Ampelanlage: Autoverkehr braucht riesige Ressourcen und führt zu massiven Einschärnkungen und Kosten.
  • Elektroautos sind hier keine Lösung. Auch wenn diese im Betrieb weniger Luftschadstoffe ausstoßen, kommen andere Nachteile hinzu. E-Autos sind schwerer und in der Produktion rohstoffintensiver. Umrüstung oder Umstieg auf Elektromobilität würde riesige Mengen Rohstoffe, Arbeitskraft und Geld verschlingen, welche dringend für den Ausbau des ÖPNV gebraucht werden.
  • Lithium als heute dominanter Akku-Rohstoff ist selten. Es drohen Kriege um das Metall – und das wieder auf dem Rücken derer, die in den Gruben arbeiten. Außerdem steht E-Mobilität für den weiteren Raubbau an der Natur.

Forderungen und dringende Notwendigkeiten:

  • Autoverkehr vermeiden!
  • Autofreie Ortskerne und Zonen um sensible Bereiche!
    motorisierter Individualverkehr muss zurückgedrängt werden!
  • Schienenverkehr stärken, Busse als Zubringer – und das alles zum NULLTARIF!
  • Ein Netz von echten Fahrradstraßen in allen Orten. 50% und mehr Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs ist möglich. Die Förderung des Radfahrens ist daher eine der wichtigsten Maßnahmen einer Verkehrswende.
  • Mobilität muss für alle gleichermaßen möglich sein. Damit alle gleichberechtigt fahren können, müssen Fahrkarten abgeschafft werden!

Mehr Lebensraum für Mensch und Tier, daher Autos raus aus den Städten und weg vom motorisierten Individualverkehr!


Diese Pressemitteilung stammt von der Aktionsgruppe, die den Globus besetzt hat.

Fotos der Aktion gibt es in unserer privaten Cloud unter https://oc2.links-tech.org/s/7O1LRbaSdo35uCL

Die Aktion kursiert auf Twitter unter @aktion_autofrei und den Hashtags #autofrei, #Verkehrswende, und #blockVW.

VW-Blockade am Mittellandkanal – Aktivist*innen seilen sich von Brücke ab

Seit heute um 12:00 Uhr haben wir – eine unabhängige Kleingruppe – uns von einer Eisenbahnbrücke vor dem VW-Werk in Wolfsburg abgeseilt und blockieren so die Auslieferung von mehr als hundert Neuwagen. Wir stellen uns hiermit konkret gegen die umweltzerstörerische „immer-weiter-immer mehr“- Linie der Autoindustrie und fordern eine radikale Verkehrswende.

Aktivist*innen seilen sich von der Brücke ab, ihr Transparent ist nicht lesbar.

Jetzt ist Schluss! – Seit dem Vormittag ist die Gleisstrecke vom VW-Werk Wolfsburg aufgrund unserer Kletterblockade und Schienenblockaden von anderen Kleingruppen gesperrt. Ein Zug wird mit zwei Seilen blockiert, die von einer Brückenseite zur anderen reichen und durch den Zug gelegt wurden. Menschen hängen daran von der Brücke über dem Mittellandkanal.

Weitere Autozüge können so ebenfalls nicht durchfahren. Diese Eisenbahnbrücke ist die einzige Zugverbindung zum VW-Werk über die Materialien ins Werk und fertige Neuwagen für den Verkauf aus dem Werk transportiert werden.

Menschen klettern an der Seite der Brücke herum.

Die Umwelt und Lebensräume zerstörende Profitgier der Autoindustrie muss gestoppt werden! Dafür ist es notwendig, den Klimaschutz in die eigenen Hände zu nehmen und sich weder auf Staatspolitik noch auf Kapitalinteressen zu verlassen. Im Gegenteil. Wenn der Klimawandel wirklich eingedämmt werden soll, muss auch der Individualverkehr zurückgedrängt werden.

Dafür bedarf es zum Beispiel des Ausbaus von Fahrrad-Infrastruktur, einer Erweiterung des öffentlich nutzbaren Verkehrsnetzes zum Nulltarif, einer dezentralen Produktion und dem Einsparen von Verkehr generell.

Damit muss heute begonnen werden und nicht erst morgen. Wir positionieren uns gegen angeblich klimaneutrale E-Autos, da sie die Situation nicht ändern, sondern nur das nächste Feld sind, an dessen Produktion sich einige wenige bereichern, während andere vertrieben und ausgebeutet werden, die Umwelt zerstört und die Klimakatastrophe weiterhin angeheizt wird.

Aktivist*innen hängen von der Brücke herunter - auf ihrem Transpi steht "I want you to panic - abolish capitalism".

Den steigenden Bedarf an Lithium nutzen beispielsweise Staaten und Firmen als gewinnbringendes Geschäft, für welches aber die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung brutal und rücksichtslos vernichtet wird. Wir widmen unsere Aktion daher den Menschen, die sich in Bolivien, Argentinien und Chile gegen den zerstörerischen Leichtmetall-Abbau wehren.

Wir hoffen, dass sich auch weitere Menschen durch unsere Aktion ermutigt fühlen, sich der Profitgier der Autoindustrie direkt entgegenzustellen und die Verkehrswende selbst in die Hand zu nehmen (auch im Hinblick auf die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt). Wenn wir diese Welt lebenswert erhalten wollen, gilt es zu handeln! Sei es gegen Braunkohle, Atomindustrie, Kreuzfahrtschiffe, (Massen-)Tierhaltung, Automobilindustrie oder das gesamte kapitalistische Dreckssystem!


Hinter dieser Pressemitteilung steht die Aktionsgruppe, die sich von der Brücke abgeseilt hat.

Fotos von der Aktion gibt es in unserer privaten Cloud: https://oc2.links-tech.org/s/YssTdKSiCBklnMp

Die Aktion kursiert auf Twitter unter @aktion_autofrei und den Hashtags #autofrei, #Verkehrswende, und #blockVW.

Blockade der zentralen Volkswagen-Fabrik durch Klimagerechtigkeitsbewegung

Heute am 13.08.2019 blockieren koordinierte Kleingruppen der Klimagerechtigkeitsbewegung einen mit fabrikneuen Fahrzeugen beladenen Autozug um auf die verfehlte Klimapolitik der Bundesregierung im Bezug auf Mobilität aufmerksam zu machen und eine sofortige Verkehrswende zu fordern.

Aktivist*innen, die vor einem blockierten Zug angekettet sind. Auf ihrem Transpi steht #blockVW.

Zu diesem Zweck wird der Zug mittels einer beeindruckenden Kletteraktion sowie mehreren angeketten Menschen über viele Stunden festgesetzt.

Den Aktivist*innen ist klar, dass auch Autos in dem Mobilitätsmix der Zukunft noch eine, wenn auch untergeordnete Rolle spielen werden. Aber nur wirklich notwendige Autos sollen verwendet sowie öffentliche und klimafreundliche Alternativen viel stärker ausgebaut und attraktiv gemacht werden.

Zwei weitere Aktivist*innen haben sich unter einem Waggon angekettet und lächeln in die Kamera.

Die Forderungen der Aktivist*innen richten sich somit nicht an Menschen, die mit dem Auto zur Arbeit fahren, oder für Autokonzerne arbeiten, sondern an die Politik und Konzerne, sowie an alle Bürger*innen Deutschlands, sich aktiv für eine klimagerechte Verkehrspolitik einzusetzen.

„Die Probleme sind struktureller Art und individuelle Lösungen reichen nicht aus – eine solidarische Wirtschaft jenseits von Wachstumszwang ist möglich und angesichts der Klimakrise auch dringend nötig!“ – so David Neisser, einer der angeketteten Aktivist*innen.

Eine*r der angeketteten Aktivist*innen wird interviewt.

Die Aktivist*innen fordern den sofortigen, flächendeckenden Ausbau des klimafreundlichen und kostenlosen öffentlichen Personen Nahverkehrs (ÖPNV). Die bereits bestehende Expertise hierfür muss endlich genutzt werden. Der Autoverkehr in Städten soll radikal minimiert und die Nutzung von Fahrrädern, Trams und Fußwegen attraktiv gemacht werden.

Deutschland hat sich im Pariser Abkommen verpflichtet, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Der Sonderbericht des IPCC zu 1,5 Grad (SR 1.5) beschreibt nötige Maßnahmen mit „niedagewesene Veränderungen in allen Lebensbereichen“ – Im Bereich der Möbilität fordern wir solche nun ein!

„Wachstum ist keine Option, denn eine absolute Entkoppelung von Wachstum und Ressourcenverbrauch hat sich historisch als unmöglich erwiesen“, so die Ökonomin Friederike Habermann. Die Blockierenden fordern einen Umbau wirtschaftlicher Strukturen nach dem Vorbild solidarischer Landwirtschaften orientiert an Bedürfnissen und Fähigkeiten anstatt Profitorientierung. Die Ressourcen unserer Erde gehören allen Menschen und sollten auch als Gemeingüter behandelt werden.


Die Gruppe, die hinter dieser Pressemitteilung steht, hat sich am letzten Waggon festgekettet.

Fotos von der Aktion gibt es in unserer privaten Cloud: https://oc2.links-tech.org/s/YssTdKSiCBklnMp

Die Aktion kursiert auf Twitter unter @aktion_autofrei und den Hashtags #autofrei, #Verkehrswende, und #blockVW.

Wir wollen keine Autos mehr, denn:

  1. Die Produktion eines jeden Autos verursacht Schäden in der Umweltdurch den hohen Verbrauch an Rohstoffen und Energie.
  2. Autos brauchen Fahrbahnen und Stehplätze, die in Innenstädten ein Drittel der Fläche beanspruchen − mehr als alle Spiel- und Grünanlagen und mehr als Wohnungen.
  3. Der motorisierte Verkehr verdirbt die Lebensqualität in Dörfern und Städten durch Lärm, Luftschadstoffe und die ständige Unfallgefahr, die Straßen zu No-Go-Areas machen und Wohnquartiere zerschneiden. Tiere, Kinder und viele andere Menschen können ihre Wohnungen nicht ohne Aufsicht verlassen.
  4. Von Parkhäusern bis zu Ampelanlagen: Autoverkehr braucht riesige Ressourcen und Infrastruktur. Das dominiert die Abläufe in jeder Stadt und führt zu massiven Einschränkungen und Kosten.

E-Autos sind nicht die Antwort.

Der zunehmende Autoverkehr bedroht immer stärker das Klima. Doch Elektroautos sind keine Lösung, auch wenn diese im Betrieb weniger Luftschadstoffe ausstoßen. Denn alle anderen Nachteile bleiben.

Und neue kommen hinzu:

  • Elektro-Autos sind schwerer und in der Produktion noch rohstoffintensiver. Die Umrüstung oder der Umstieg auf Elektromobilität würde riesige Mengen Rohstoffe, Manpower und Geld verzehren, die dringend für den Ausbau des ÖPNV gebraucht werden.
  • Lithium als heute dominanter Akku-Rohstoff ist selten. Es drohen Kriege um das Metall.

Das Argument „Arbeitsplätze“ zählt nicht – im Gegenteil: Die Arbeiter*innen in der Automobilindustrie werden dringend gebraucht – als Lok- und Busfahrer*innen, in Energie- und Verkehrswendetechnik, aber auch an vielen anderen Orten der Gesellschaft (Krankenhäuser, Pflege usw.). Wenn durch den Umstieg auf die deutlich rohstoff- und flächensparenden Verkehrsmittel Straßenbahn, Seilbahn, Bus und Fahrrad weniger Arbeit für alle entsteht, so ist das ein sinnvolles Ziel. Daher fordern wir:

  • Bessere Arbeitsbedingungen für Lok- und Busfahrer*innen plus Umschulungsprogramme für alle, die auf diese Berufe umsteigen wollen – gerade aus der Automobilbranche.
  • Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden oder weniger: Teilen wir uns lieber die verbleibende Arbeit besser auf und sichern allen dabei ein gutes Auskommen!
  • Enteignung der Automobilkonzerne, Weiterführung als kooperativ geführte Betriebe und Umbau der Produktionsanlagen für zukunftsfähige Produkte.

Für die Verkehrswende fordern wir:

  • Verkehr vermeiden!
    Wenn Menschen in Stadtteilen und Dörfern (wieder) Einkaufsmöglichkeiten, Kulturangebote, Arbeitsplätze, Arztpraxen usw. finden, fallen viele Wege weg. Das ist eine Frage der regionalen und kommunalen Planung.
  • Autofreie Ortskerne und Zonen um sensible Bereiche!
    Der Autoverkehr (motorisierter Individualverkehr) muss zurückgedrängt werden, zunächst aus den Innenstädten und rund um Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen usw. Das ist der Anfang, danach werden Autos auch aus Wohngebieten und am Ende überall verbannt. Die freiwerdenden Flächen werden dringend für andere Verkehrssysteme, Aufenthalts- und Spielflächen und Begrünung gebraucht.
  • Schienenverkehr stärken, Busse als Zubringer – und das alles zum Nulltarif!
    Mobilität muss für alle gleichermaßen möglich sein. Dafür bedarf es eines flächendeckenden, dichten Netzes an Bus- und Bahnlinien. Wo möglich, sind Straßenbahnen mit Kopplung an die Bahnlinien (sog. RegioTrams) zu verwirklichen. Seilbahnen können ergänzen. Damit alle gleichberechtigt möbil sein können, sollen die Fahrkarten abgeschafft werden (Nulltarif).
  • Ein Netz von echten Fahrradstraßen in allen Orten!
    50 Prozent und mehr des Verkehrs per Fahrrad? Das ist möglich, wie Städte zeigen, die das Radfahren systematisch fördern. Die Förderung des Radfahrens ist daher die wichtigste Maßnahme einer Verkehrswende. Fahrradstraßen sind das Rückgrat eines dichten und gut zu befahrenden Radwegenetzes.
  • Fußwege und autofreie Plätze schaffen und verbessern
    Nicht vergessen werden dürfen die Wege zu Fuß: Genug Platz, verbunden mit angenehmen Aufenthalts- und Spielplätzen, barriere- und lärmfrei. Auch Rollstühle und Rollatoren sind Verkehrsmittel. Gleichberechtigung gibt es nur dort, wo Barrieren verschwinden – und die Autos!

Dafür braucht es: Aktion! Organisiert Aktionen in Eurer Stadt/Region. Beispiele, Tipps und Anregungen findet Ihr auf https://verkehrswende.tk − vom Gehzeug über kreative Demos bis zu autofreien Zonen und Fahrradstraßen per Versammlungsrecht.


Im Jahr 2018 starben in Deutschland 3.265 Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr. 85 mehr als im Jahr zuvor. Elektromobilität schluckt durchs Fahren ungefähr die Menge an Strom, die im Moment durch Windenergie produziert wird. Die Akkuproduktion kommt hinzu. Ca. 30 Prozent einer Innenstadt sind Verkehrsflächen. Eine Berechnung für die (relativ radfreundliche) Stadt Freiburg ergab: Autos beanspruchen 23-mal mehr Fläche als Radfahrer*innen. In Berlin ist die durchschnittliche Spielfläche je Einwohner*in seit dem Jahr 2000 von 0,8 auf 0,6 Quadrat- meter gesunken. Im Vergleich dazu braucht ein PKW als durchschnittliche Parkfläche 10 Quadratmeter.

2000 betrug der Anteil an pendelnden Arbeitnehmer*innen 53 %, im Jahr 2015 schon 60 %. Seit 1990 sind in Deutschland 6.467 Kilometer Bahnstrecken stillgelegt worden.

CO2-Ausstoß durch Verkehr in BRD:

  • 1990: 163 Mio. Tonnen.
  • Ziel 2030: -40 %.
  • Ausstoß 2017: 166 Mio. Tonnen.