Feministisch gegen Volkswagen – was der Kampf für die Verkehrswende mit dem Patriarchat zu tun hat

Eine vermummte Person ist vor einer Lok ans Gleis gekettet.

Als Feministinnen beteiligen wir uns an der heutigen Blockade des Volkswagen-Werkes in Wolfsburg. Während der Zusammenhang zwischen dem auf großen Autos basierenden Mobilitätssystem und der Klimakrise offensichtlich ist, dürfte einigen unklar sein, warum wir uns explizit auch aus feministischer Perspektive für eine Beteiligung an den Aktionen entschieden haben.

Dabei ist es eigentlich offensichtlich. Von Hollywood-Blockbustern über Fernsehwerbung bis zu lokalen Autowerkstätten: Autos sind Männersache. Und jeder neu produzierte protzige SUV heizt nicht nur das Klima auf, sondern reproduziert und verfestigt ein perfides System. Vorrangig weiße Männer verdienen Geld damit anderen vorrangig weißen Männern Autos zu verkaufen.

Autos sind nicht in erster Linie Mittel zum Zweck, um sich oder Dinge von A nach B zu transportieren, sondern Prestigeobjekte, oft verklärt als Ausdruck von Freiheit und Männlichkeit. Das hat gravierende Folgen: Wer ein echter Mann sein will, hat sich für Autos zu interessieren und wird ansonsten abgewertet, ihm seine Männlichkeit abgesprochen.

Und jede Frau, die schonmal beim TÜV oder Autoteile kaufen war wird es bestätigen können: Sie wird in den seltensten Fällen für voll genommen, ihr wird nichts zugetraut und sobald sie mit einem Mann unterwegs ist, wird er angesprochen, wenn es um technische Fragen geht. Autozeitschriften richten sich an Männer und wenn Frauen vorkommen, dann als fast nacktes Fotomodell auf der Kühlerhaube.

Belegt wird das auch durch die Zahlen: Über 90% der Männer zwischen 35 und 64 Jahren in der BRD besitzen ein Auto, bei Frauen sind es hingegen rund 60%. Während Frauen statistisch betrachtet viel mehr der zur Alltagsbewältigung notwendigen Strecken mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen, steigt der Mann ins Auto.

Autofahren ist global wie deutschlandbezogen ein Privileg weißer Männer und auch welche Autos gefahren werden unterscheidet sich deutlich. So liegt der Anteil an Männern, die einen VW Passat CC kaufen bei 83%.

Ebenso wie ein Kohle- oder Atomkraftwerk den Umbau der Stromnetze hin zu Dezentralität und Erneuerbaren Energien blockiert, so sabotiert die fortwährende Produktion protziger Neuwagen die überfällige Verkehrswende ebenso wie den Abbau von Geschlechterstereotypen.


Fotos der Aktionen gibt es in unserer privaten Cloud für den Globus und die Bahn-Blockade.

Die Aktion kursiert auf Twitter unter @aktion_autofrei und den Hashtags #autofrei, #Verkehrswende, und #blockVW.

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